Ein US-Gericht hat Boeing dazu verurteilt, der Familie eines Opfers des Ethiopian-Airlines-Absturzes von 2019 29 Millionen Dollar zu zahlen. Die Verantwortung des Flugzeugherstellers für die Katastrophe steht dabei unmittelbar im Mittelpunkt.
Urteil gegen Boeing nach dem Ethiopian-Airlines-Absturz
Eine Geschworenenjury in Chicago verpflichtete Boeing zur Zahlung von 29 Millionen Dollar, umgerechnet rund 25 Millionen Euro, an die Angehörigen von Micheál Ryan. Der irische UN-Helfer kam beim Absturz von Ethiopian Airlines im Jahr 2019 ums Leben.
Die Witwe des Opfers, Naoise Connolly Ryan, lehnte eine vertrauliche außergerichtliche Einigung ab, um ein öffentliches Verfahren zu erreichen und den Luftfahrtkonzern vor Gericht für sein Handeln zur Verantwortung zu ziehen. Das Urteil gehört zu den letzten noch anhängigen zivilrechtlichen Verfahren.
Während die überwiegende Mehrheit der Familien diskrete Vergleiche annahm, folgt dieses Urteil auf zwei weitere bedeutende Verurteilungen aus den vergangenen Monaten: 28,45 Millionen Dollar im November 2025 und 49,5 Millionen im Mai 2026. Für den Flugzeughersteller zählt der Fall zu den letzten Verfahren im Zusammenhang mit diesem Absturz, nachdem die strafrechtlichen Ermittlungen gegen das Unternehmen Ende 2025 endgültig eingestellt worden waren.
Rückblick auf die Tragödie
Am 10. März 2019 startete Ethiopian-Airlines-Flug 302 von Addis Abeba mit Ziel Nairobi. Bereits 6 Minuten nach dem Abheben stürzte die Maschine nahe der Stadt Bishoftu ab. Alle 157 Passagiere und Besatzungsmitglieder aus 35 verschiedenen Nationen kamen sofort ums Leben.
Die Boeing 737 MAX 8 war erst wenige Monate zuvor ausgeliefert worden und hatte lediglich 1.200 Flugstunden absolviert. Der erfahrene Pilot meldete der Flugsicherung technische Probleme und erhielt die Genehmigung zur Umkehr. Dennoch gelang es bei diesem verzweifelten Manöver nicht, das Flugzeug wieder unter Kontrolle zu bringen.
Weniger als 5 Monate zuvor war bereits ein gleichartiges Flugzeug der Airline Lion Air in die Javasee gestürzt, wobei 189 Menschen starben. Die beiden Katastrophen forderten innerhalb von weniger als zwei Jahren 346 Todesopfer und stürzten den US-Hersteller in eine beispiellose Krise.
Die Rolle der Boeing 737 MAX 8 und des MCAS
Die Verantwortung von Boeing ist dabei klar thematisiert. Direkt im Fokus steht das MCAS-Programm (Maneuvering Characteristics Augmentation System), das Boeing entwickelt hatte, um die 737 MAX 8 bei einem zu hohen Anstellwinkel automatisch zu stabilisieren.
Bei beiden Unglücksflügen übermittelte ein defekter Sensor fehlerhafte Werte an das System. Da die Software einen unmittelbar bevorstehenden Strömungsabriss annahm, zwang sie die Flugzeuge mehrfach in einen Sinkflug. Trotz wiederholter Bemühungen und ihrer Ausbildung waren die Piloten physisch nicht in der Lage, die automatischen Steuerbefehle zu übersteuern und die Maschinen abzufangen.
Folgen des MCAS-Fehlers für Boeing
Unter internationalem Druck und angesichts der Sachbeweise räumte Boeing schließlich öffentlich seinen Fehler sowie die direkte Rolle des MCAS bei diesen Tragödien ein. In der Folge wurde die gesamte 737-MAX-Flotte weltweit für nahezu zwei Jahre stillgelegt, damit die Software überarbeitet und die Schulungsverfahren angepasst werden konnten. Erst 2026 beginnt sich das Unternehmen langsam von der Krise zu erholen.
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