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UN-Generalsekretär: Carolyn Rodrigues-Birkett wird neue Favoritin

Geschäftsfrau in hellem Anzug mit Aktenordner vor einer Wand mit UN-Emblem und Flaggen verschiedener Länder.

Die Wahl des künftigen Generalsekretärs ist ein entscheidender und besonders heikler Prozess: Bewerber müssen mindestens 9 Stimmen erhalten und zugleich ein Veto der fünf ständigen Mitglieder vermeiden – darunter die USA, Russland und China.

Der nächste UN-Chef tritt Anfang 2027 sein Amt an, weshalb der Sicherheitsrat nun abstimmt. Am Freitag, dem 21. August, fand eine weitere Wahlrunde statt. Sie sollte zeigen, ob sich eine der fünf Kandidatinnen oder einer der drei Kandidaten für die Nachfolge des Portugiesen António Guterres durchsetzen könnte. Diese zweite Sitzung galt als „indikativ“, da bis zu einem Konsens noch Zeit benötigt wird und sich das Bewerberfeld wohl erst verkleinern muss. Wie die Konflikte weltweit zeigt auch die Institution, die den Frieden sichern soll, tiefe Spaltungen.

Der derzeitige UN-Generalsekretär, der 77-jährige Portugiese António Guterres, beendet seine zweite Amtszeit am 31. Dezember. Dann wird er zehn Jahre an der Spitze der Organisation gestanden haben – in einer Phase, die für die Institution besonders schwierig ist: Finanzprobleme, Differenzen im Sicherheitsrat und ein geschwächter Multilateralismus prägen die Lage. Die USA, Russland und Europa ziehen sich jeweils stärker auf sich selbst zurück. In Washington droht die Trump-Regierung regelmäßig damit, die wichtigsten Beiträge für die Organisation zu streichen; zudem bleiben Zahlungen dauerhaft verspätet. Dasselbe gilt für China.

Nach der Abstimmung nannte Christina Markus Lassen, dänische Botschafterin bei den Vereinten Nationen und Vertreterin des Landes mit dem rotierenden Vorsitz im Sicherheitsrat im August, keine Einzelheiten zu den Ergebnissen. Der UN-Sicherheitsrat sollte für jeden Kandidaten eine Empfehlung abgeben und dabei zwischen „empfohlen“, „nicht empfohlen“ oder „keine Meinung geäußert“ wählen.

Die acht Kandidaten für das Amt des UN-Generalsekretärs

Für das Amt des UN-Generalsekretärs kandidieren diese acht Personen:

  • Ivonne A-Baki, ehemalige Ministerin und Diplomatin aus Ecuador
  • Michelle Bachelet, frühere Präsidentin Chiles und ehemalige UN-Hochkommissarin für Menschenrechte
  • María Fernanda Espinosa, frühere Präsidentin der UN-Generalversammlung sowie ehemalige ecuadorianische Außen- und Verteidigungsministerin
  • Rafael Grossi, Argentinier und derzeitiger Generaldirektor der Internationalen Atomenergie-Organisation
  • Rebeca Grynspan, ehemalige Vizepräsidentin Costa Ricas und derzeitige Generalsekretärin der Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung
  • Olara Otunnu, Uganderin und ehemalige stellvertretende UN-Generalsekretärin
  • Carolyn Rodrigues Birkett, ständige Vertreterin Guyanas bei den Vereinten Nationen
  • Macky Sall, ehemaliger Präsident Senegals

Dass die Wahl des UN-Generalsekretärs so langwierig und kompliziert ist, liegt an der Charta der Vereinten Nationen: Der Kandidat muss mindestens 9 Stimmen gewinnen und darf kein Veto eines der fünf ständigen Mitglieder erhalten – der USA, Russlands, Frankreichs, des Vereinigten Königreichs und Chinas. Üblicherweise sorgt ein Prinzip geografischer Rotation dafür, dass bei einer Wahl jeweils ein Kontinent bevorzugt wird. In diesem Jahr soll Lateinamerika zum Zug kommen. Diese Tradition wird jedoch nicht immer eingehalten.

Wer ist Carolyn Rodrigues-Birkett, die neue Favoritin?

Zum Zeitpunkt dieser zweiten indikativ angelegten Wahlrunde sind noch fünf Frauen im Rennen. Obwohl sie zahlenmäßig stärker vertreten sind als Männer, stand bislang noch nie eine Frau an der Spitze der UNO. In den kommenden fünf Jahren könnte sich das ändern, denn zwei Kandidatinnen heben sich ab: Nach der ersten Abstimmung lag Rebeca Grynspan, die ehemalige Vizepräsidentin Costa Ricas, vorn. Nach der zweiten Runde nannte eine diplomatische Quelle gegenüber AFP hingegen Carolyn Rodrigues-Birkett. Mit 52 Jahren ist sie die jüngste aller Kandidatinnen und Kandidaten.

Die frühere Außenministerin Guyanas und heutige ständige Vertreterin ihres Landes bei den Vereinten Nationen liegt damit vor ihrer 70-jährigen Konkurrentin aus Costa Rica, die derzeit die Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD) leitet. Sobald die Ergebnisse der Abstimmung vom 21. August veröffentlicht werden, dürfte sich das Kandidatenfeld verkleinern. Bewerber mit der geringsten Zahl an Empfehlungen könnten ihre Kampagne beenden. Bis dahin könnten allerdings auch neue Kandidaten hinzukommen.

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