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Schnelle Entscheidungen verraten stärkere Vorannahmen, zeigt Studie

Junger Mann vergleicht Kreditkarten, sitzt am Tisch mit Brille und Organizer bei Tageslicht.

Fällt es Ihnen schwer, Entscheidungen zu treffen?

Lassen Sie sich mit der Antwort ruhig Zeit. Denn eine neue Studie legt nahe, dass Menschen, die rasch entscheiden, eher stärkere Vorurteile haben als jene, die länger abwägen.

Darüber hinaus könnten schnelle Entscheider Optionen bevorzugen, die ihren Vorannahmen entsprechen – selbst dann, wenn ihnen Belege vorgelegt werden, die diesen Vorannahmen widersprechen.

Nach Ansicht eines Teams um die Mathematikerin Samantha Linn von der University of Utah deutet dieses Ergebnis darauf hin, dass langsam entscheidende Menschen letztlich bessere Entscheidungen treffen. Zugleich liefert es Hinweise auf die Mechanismen hinter Extremismus.

„Wir zeigen, dass in Gruppen von Akteuren, die sich ausschließlich hinsichtlich ihrer anfänglichen Vorannahmen unterscheiden, frühe Entscheidungen von Akteuren mit den extremsten Prädispositionen getroffen werden“, schreiben die Forschenden in ihrer Arbeit. „Späte Entscheidungen hängen dagegen nicht von der anfänglichen Voreingenommenheit ab und sind mit höherer Wahrscheinlichkeit richtig.“

Vorannahmen und die Geschwindigkeit von Entscheidungen

Langsam zu einer Entscheidung zu kommen, wird häufig als Symptom von Erkrankungen wie Angststörungen oder schlicht als mangelndes Selbstvertrauen angesehen. Es kann auch als Schwäche gelten.

Während viele Menschen Belege gegeneinander abwägen, bevor sie sich festlegen, beginnen andere ihren Entscheidungsprozess auf Grundlage angeborener Reaktionen, emotionaler Impulse, falscher Annahmen oder der Folgen früherer Entscheidungen.

Linn und ihr Team wollten aus einer rein mathematischen Perspektive untersuchen, wie sich Vorannahmen und die Verfügbarkeit von Informationen auf die Geschwindigkeit der Entscheidungsfindung auswirken. Dafür nutzten sie numerische Modelle, sogenannte Evidenzakkumulationsmodelle. Diese sollen erfassen, wie Akteure Informationen sammeln und zusammenführen, um eine Entscheidung zu treffen.

Die Forschenden entwickelten Modelle, in denen mehrere Akteure zwischen zwei Möglichkeiten, H+ und H-, wählen mussten. Den Akteuren im Modell wurden zufällige Neigungen zugunsten der einen oder anderen Option zugewiesen; anschließend sollten sie Belege sammeln.

„Hier untersuchen wir, wie die anfänglichen Vorannahmen einzelner Personen innerhalb einer Gruppe die Reihenfolge und Genauigkeit ihrer Entscheidungen beeinflussen“, schreiben sie. „Wann wird eine Entscheidung durch die ursprüngliche Voreingenommenheit eines Akteurs bestimmt, und wann durch gesammelte Belege?“

Schnelle Entscheidungen folgen den stärksten Vorannahmen

Die Ergebnisse zeigten: In Gruppen von Akteuren, deren einziger Unterschied in ihren anfänglichen Vorannahmen besteht, trafen diejenigen mit den extremsten Prädispositionen ihre Entscheidungen am schnellsten. Der Effekt lässt sich bereits in kleinen Gruppen erkennen, fällt in größeren Gruppen jedoch besonders deutlich aus. Die Entscheidungen dieser voreingenommenen Akteure stimmten mit ihrer ursprünglichen Neigung überein – unabhängig davon, welche Informationen ihnen zur Verfügung standen.

Die benötigte Entscheidungszeit verhielt sich umgekehrt proportional zur Stärke der Voreingenommenheit. Akteure, die am längsten brauchten, trafen Entscheidungen, die am wenigsten von ihrer anfänglichen Neigung geprägt waren. Außerdem lagen sie mit höherer Wahrscheinlichkeit richtig als Menschen, die aus dem Bauch heraus entschieden.

„Unsere Entscheidungen werden oft von Informationen beeinflusst, die wir bereits zuvor erhalten haben, sowie von Vorlieben, die wir entwickelt haben“, schreiben die Forschenden. „Wir haben gezeigt, dass diese anfänglichen Vorannahmen frühe Entscheidungen bestimmen und bei späteren Entscheidungen zunehmend weniger Einfluss haben.“

Das erscheint nachvollziehbar. Wenn man sich zu einem Thema bereits eine feste Meinung gebildet hat, muss man nicht lange nachdenken, sobald eine Wahl ansteht. Ist die Cajun-Küche Ihre Lieblingsküche, werden Sie sich natürlich dafür entscheiden, wenn die Alternative Hamburger sind.

Da es sich ausschließlich um Mathematik handelt, lassen sich daraus keine psychologischen Schlüsse ableiten. Die Untersuchung befasst sich mit Ursache und Wirkung, ohne das komplexe menschliche Verhalten dahinter zu analysieren. Dennoch kann sie als Grundlage dienen, um dieses Verhalten in großen wie kleinen Gruppen besser zu verstehen – ebenso wie die Frage, wie unsere Handlungen von den Überzeugungen beeinflusst werden, die wir vertreten.

Die Ergebnisse werden in Physical Review E veröffentlicht.

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