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Donald Trump: Truth Social verkauft Wall Street ultraschnellen Zugang

Mann mit roter Krawatte arbeitet an sechs Computermonitoren in Büro mit Stadtblick und amerikanischer Flagge.

Donald Trump steht kurz davor, Wall-Street-Handelsfirmen für einen besonders schnellen Zugriff auf seine Beiträge bei Truth Social zur Kasse zu bitten. Dieser neuartige kommerzielle Schritt wirft gewichtige ethische Fragen auf.

Die 2022 von Donald Trump gegründete Plattform Truth Social sollte ihm nach dem Ausschluss des Milliardärs von den wichtigsten sozialen Netzwerken eine alternative Möglichkeit zur Meinungsäußerung bieten. Die bei der amerikanischen extremen Rechten sehr beliebte App entwickelte sich rasch zu seinem bevorzugten Kommunikationskanal: Dort greift er regelmäßig politische Gegner an oder kommentiert das politische Geschehen. Offenbar erschließt das Netzwerk nun zusätzliche Einnahmequellen.

Truth API liefert Beiträge in Millisekunden

Ab dem 1. August führt die Trump Media & Technology Group (TMTG), Eigentümerin und Betreiberin des sozialen Netzwerks, einen kostenpflichtigen Datenstrom namens Truth API ein. Der Dienst übermittelt Veröffentlichungen der wichtigsten Konten auf der Plattform – darunter die von Donald Trump – innerhalb weniger Millisekunden direkt an die Computer der Kunden.

Ein Vorteil für die Handelsgiganten

Für Finanzmarktprofis, insbesondere Firmen des Hochfrequenzhandels (HFT), sind solche Sekundenbruchteile äußerst wertvoll. Ihre automatisierten Handelsalgorithmen sind darauf ausgelegt, Vermögenswerte nahezu sofort zu kaufen oder zu verkaufen, sobald entscheidende Informationen bekannt werden. Schon ein einzelner Beitrag des US-Präsidenten über Zölle oder den Ölpreis kann die weltweiten Märkte innerhalb kürzester Zeit in Bewegung bringen.

Bisher beobachteten diese Akteure die Anwendung entweder manuell oder kopierten ihre Daten ohne Erlaubnis – ein Vorgehen, das als Scraping bezeichnet wird. Das Unternehmen kündigte an, diese nicht genehmigten Methoden künftig zu unterbinden. Um Informationen in Echtzeit zu erhalten, wird Wall Street daher zahlen müssen – für eine Funktion, die dem Insiderhandel sehr nahekommt.

Ein beispielloser Interessenkonflikt des Präsidenten

Das Problem: Donald Trump ist mit einem Anteil im Wert von mehr als 1 Milliarde Dollar der größte Aktionär von TMTG. Der US-Präsident wird somit persönlich finanziell davon profitieren, einen ultraschnellen Zugang zu seinen eigenen offiziellen Äußerungen zu verkaufen. Dieses Informationsmonopol wirft schwerwiegende ethische Fragen auf. So ließ etwa im vergangenen März allein ein auf seinem Netzwerk veröffentlichter Hinweis auf Gespräche mit dem Iran den Rohölpreis sinken und bescherte informierten Spekulanten Gewinne.

Für staatliche Erklärungen einen Aufpreis zu verlangen, damit sie einige Millisekunden früher verfügbar sind, schafft einen Markt mit zwei Geschwindigkeiten. Die vermögendsten Händler erhalten dadurch gegenüber dem Rest der Welt einen unfairen Vorteil. Zwar verkaufen andere Plattformen wie X bereits API-Daten, doch die unmittelbare Monetarisierung der Aussagen eines amtierenden Präsidenten durch dessen eigenes Privatunternehmen ist völlig neu.

Auch wenn Fachleute für Finanzrecht betonen, dass diese Praxis die derzeitigen Börsengesetze technisch nicht verletzt, verwässert sie die Grenze zwischen den privaten Interessen der Familie Trump und dem öffentlichen Amt des Präsidenten weiter.

Frühere Vorwürfe gegen Trumps Umfeld

Zudem gibt es bereits vergleichbare Fälle. Gabriel Perez, seit 2016 Donald Trumps langjähriger Teleprompter-Bediener, wird von der Finanzaufsicht beschuldigt, seinen privilegierten Zugang zu präsidialen Reden genutzt zu haben, um auf der Prognoseplattform Kalshi zu wetten. Auch die Familie Trump hat durch äußerst umstrittene Praktiken im Bereich der Kryptowährungen Vermögen aufgebaut.

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