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Ukraine greift Wildberries-Lager in Russland gezielt an

Person steuert Drohne mit Tablet in Lagerhalle mit verpackten Paketen und Regalen.

Die Ukraine hat zahlreiche Lagerhäuser von Wildberries beschossen, dem russischen Pendant zu Amazon. Kiew will damit sowohl die Versorgungskette der Armee beeinträchtigen als auch die Moral der Bevölkerung schwächen.

Mit Angriffen auf wichtige Infrastruktur tief im Landesinneren möchte die Ukraine die russische Wirtschaft möglichst rasch unter Druck setzen. Zu den jüngsten Zielen Kiews gehört Wildberries, das russische Gegenstück zu Amazon. Diese Vorgehensweise könnte einen Wendepunkt im Krieg markieren.

Am 18. Juli griffen ukrainische Drohnen Wildberries-Lager in Kotowsk und Elektrostal an. Die Anlagen wurden schwer zerstört, neun Beschäftigte kamen ums Leben. In der vergangenen Woche wurden mindestens fünf weitere Lager des Unternehmens attackiert, darunter eines auf der Krim, die Russland 2014 völkerrechtswidrig annektiert hatte. Damit soll einerseits die Armee getroffen werden, die zu den Kunden von Wildberries zählt. Andererseits zielt die Strategie darauf ab, die russische Wirtschaft zu lähmen und die Bevölkerung zu entmutigen.

Wildberries: Warum Kiew den russischen Amazon-Rivalen ins Visier nimmt

Wildberries führt den russischen E-Commerce-Markt an und gilt als heimische Amazon-Alternative. Das Unternehmen wurde 2004 von Tatjana Kim gegründet, die damals als Lehrerin in Elternzeit war. Innerhalb kurzer Zeit entwickelte sich die Marke zu einer unverzichtbaren Plattform im Russland von Wladimir Putin. Der Konzern betreibt 200 Lagerhäuser; das Vermögen von Tatjana Kim wird laut Forbes auf 8,1 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Lagerhäuser als Teil der militärischen Versorgung

Für die Ukraine ist Wildberries ein besonders attraktives Ziel, denn sie setzt verstärkt auf Fernangriffe, um die Wirtschaft zu schwächen. Nach Raffinerien geraten nun also Lagerhäuser von Wildberries unter Beschuss. Kiew geht davon aus, dass der Onlinehändler bei der Armee an der Front sehr beliebt ist. Dort stationierte Soldaten bestellen über die Plattform kugelsichere Westen, Drohnen und Glasfaserkabel, die bei Angriffen auf ukrainisches Gebiet eingesetzt werden.

Zugleich zählt Wildberries zu den wirtschaftlichen Lebensadern Russlands. Ähnlich wie Amazon liefert das Unternehmen schnell und arbeitet mit einer Vielzahl externer Firmen zusammen. Viele dieser Betriebe könnten durch die Angriffe beeinträchtigt werden oder sogar zur Schliessung gezwungen sein.

Wirtschaftlicher Druck und Auswirkungen auf die Bevölkerung

Wildberries in die Knie zu zwingen bedeutet, Russland an einem empfindlichen Punkt zu treffen und zugleich die Stimmung in der Bevölkerung zu beeinträchtigen. Für Russinnen und Russen wird ein Krieg, der bislang weit entfernt wirken konnte, dadurch im Alltag unmittelbar spürbar. Ausserdem verfügt Wildberries über eine Onlinebank, gegen die die Europäische Union Sanktionen verhängt hat, weil sie die russische Armee finanziert. Das Unternehmen ist somit nicht ausschliesslich ein ziviler Akteur, der zufällig zum Kollateralschaden wird. Die Schäden für die russische Wirtschaft infolge der Angriffe auf Wildberries werden auf 2 Milliarden US-Dollar beziffert.

Während der Krieg an der Front festgefahren ist, verfolgt die Ukraine eine Strategie, mit der sie ihren Angreifer destabilisieren will. Nach Angaben von Xavier Tytelman, der von Le Parisien interviewt wurde, strebt Kiew ausdrücklich an, die russische Wirtschaft noch vor dem kommenden Winter in die Knie zu zwingen. Gleichzeitig setzt das Regime von Wladimir Putin seine Angriffe auf ukrainischem Gebiet fort und nimmt dabei gezielt Zivilisten ins Visier.

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