Die Wüstensande Ägyptens sind seit Jahrtausenden trocken.
Heute ist es kaum vorstellbar, doch weite Teile dieser Wüste lagen einst unter einem Meer, das sich über einen Großteil des nördlichen Randes des afrikanischen Kontinents erstreckte.
Dieses Meer war keineswegs leblos. Hinweise deuten darauf hin, dass es während der Kreidezeit ein tropisches Paradies gewesen sein könnte: Aufsteigende Strömungen brachten Nährstoffe in die Wassersäule und versorgten so ein blühendes Ökosystem.
Auf dem Abu-Tartur-Plateau haben Paläontologen nun im einstigen Meeresboden dieses uralten Meeres Belege für diesen Reichtum entdeckt: Haizähne von Tieren, die von dem reichen Fischvorkommen profitiert haben dürften.
Dabei handelt es sich nicht nur um einen Hai. In einer Schicht der Duwi-Formation wurden inzwischen mindestens sieben verschiedene Arten nachgewiesen. Sie eröffnen einen Einblick in die artenreichen marinen Ökosysteme, die einst am Nordrand Afrikas gediehen.

Die 14 Zähne repräsentierten fünf Arten. (Yassin et al., Cretac. Res. , 2026)
„In ihrer Gesamtheit unterstreicht diese Fossilgemeinschaft ein nährstoffreiches, hochproduktives Meeresökosystem entlang eines phosphogenen Schelfrands“, schreibt ein von dem Paläontologen Tarek Yassin von der Universität Kairo geleitetes Team in einer in Cretaceous Research veröffentlichten Studie.
Das kreidezeitliche Meer über Nordafrika
Während der Kreidezeit vor etwa 145 bis 66 Millionen Jahren sah die Erde völlig anders aus. In einem durch tektonische Aktivität angetriebenen Treibhausklima war die Welt wärmer und besaß kaum oder gar kein Polareis. Durch den höheren Meeresspiegel standen große Teile des heutigen Festlands unter Wasser, darunter auch Nordafrika.
Das wissen wir zumindest teilweise dank Phosphat. Phosphoritablagerungen bilden sich häufig dort, wo die marine Produktivität besonders hoch ist und Phosphor intensiv zirkuliert und angereichert wird.

Ein Diagramm veranschaulicht, wie Ozeane die Region einst überfluteten. (Yassin et al., Cretac. Res. , 2026)
Die ausgedehnten Phosphatvorkommen der Duwi-Formation bewahren daher nicht nur Überreste dieses urzeitlichen Meeres, sondern auch Hinweise darauf, wie produktiv seine Gewässer einst waren.
In früheren Arbeiten hatten Yassin und seine Kollegen in einigen Zähnen aus dem Fossilbett zwei Haiarten identifiziert. Das war ein aufschlussreiches Signal, denn eine Gemeinschaft, die mehrere große Räuber ernähren kann, benötigt darunter ein produktives Nahrungsnetz.
Daraufhin kehrten sie nach Abu-Tartur zurück, um mehr herauszufinden.
Haizähne aus der Duwi-Formation
Die schwarzen und gelben Lagen des Duwi-Phosphats lieferten tatsächlich neue Funde. Das Team entdeckte weitere 14 Haizähne, die fünf zusätzliche Haiarten repräsentierten – keine von ihnen war zuvor in Abu-Tartur nachgewiesen worden.
Wenn nur Zähne erhalten sind – was bei urzeitlichen Haien gewöhnlich der Fall ist –, können feine Unterschiede das einzige Kriterium sein, auf dem eine Artbestimmung beruht.
Bei den Zähnen aus der Duwi-Formation waren die Unterschiede allerdings nicht immer gering.
Mehrere Zähne waren lang und schlank wie Nadeln. Andere waren breit und gezähnt, vermutlich besser zum Schneiden als zum Durchdringen geeignet. Ein Zahn war auffällig wie ein Karambit gekrümmt. Manche trugen kleine, fangartige seitliche Fortsätze, sogenannte Nebenhöcker; andere nicht.
Anhand weiterer Fossilfunde aus aller Welt ordneten die Forschenden die Zähne fünf ausgestorbenen Arten zu: Cretalamna cf. maroccana, Scapanorhynchus cf. raphiodon, Serratolamna cf. serrata, Squalicorax bassanii und Squalicorax pristodontus.
Alle fünf sind Erstnachweise für Abu-Tartur.
Zwei Arten wurden sogar erstmals überhaupt in Ägypten gefunden: Serratolamna cf. serrata und Squalicorax bassanii.
Eine Art stach besonders hervor. Scapanorhynchus cf. raphiodon – jene Form mit den nadelartigen Zähnen – könnte den ersten bekannten Nachweis in Afrika darstellen. Zudem könnte es sich laut den Forschenden um das jüngste Exemplar im Fossilbericht handeln, da sämtliche anderen Stücke deutlich älter sind.
Diese Bestimmungen zeichnen jedoch ein weitaus spannenderes Bild als „ein Haufen Haie“.
Wie ihre Zähne vermuten lassen, standen die Tiere möglicherweise nicht in direkter Konkurrenz, sondern besetzten unterschiedliche ökologische Nischen in einer reichen Meeresumwelt.
„Das Vorkommen von Squalicorax könnte auf einen Eintrag aus küstennahen Bereichen beziehungsweise dem inneren Schelf hinweisen, während das Auftreten von Scapanorhynchus tiefere Wasserbedingungen am äußeren Schelf und am Hang widerspiegelt“, schreiben die Forschenden.
„Lamniforme Taxa wie Cretalamna und Serratolamna stützen zudem die Annahme stabiler Bedingungen auf dem offenen Schelf.“
Aufquellen als Motor eines reichen Meeresökosystems
Die Forschenden vermuten, dass Aufquellen der Schlüssel zu diesem Artenreichtum gewesen sein könnte.
Nährstoffreiches Wasser, das aus tieferen Ozeanschichten aufstieg, hätte Phosphor und weitere Nährstoffe in die sonnenbeschienenen Oberflächengewässer transportiert. Das hätte eine intensive Primärproduktion angetrieben – Plankton, das sich davon ernährte.
Dieses Plankton hätte wiederum kleine Fische und Wirbellose versorgt, gefolgt von Räubern wie Squalicorax und Cretalamna. Cretoxyrhina und Meeresreptilien hätten weiter oben im Nahrungsnetz gestanden.
Doch genau hier wird der „Haifriedhof“ besonders interessant. Während der Lebenszeit dieser Haie lagerte sich nur sehr wenig Sediment ab. Das Phosphatbett umfasst deshalb einen stärker verdichteten Zeitraum, als dies an einem Ort mit mehr Schlamm der Fall wäre.
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Die Zähne bilden folglich eine zeitlich gemittelte Ansammlung aus mehreren ökologischen Nischen. Sie belegen nicht, dass sieben Haiarten gleichzeitig dort lebten und gemeinsam an diesem Ort starben.
Dennoch ergänzen sie die Hinweise darauf, dass solche Ökosysteme während der späten Kreidezeit am gesamten Nordrand Afrikas verbreitet waren. Andere Phosphatablagerungen, etwa aus Marokko und Syrien, enthalten ebenfalls zahlreiche Haiarten. Das legt nahe, dass die gesamte Region ein hervorragender Ort für Haie war.
Heute ist von diesem Haiparadies kaum noch etwas übrig. Die Tethys ist verschwunden, aus dem Meeresboden wurde Wüste, und die Räuber, die einst ihre Gewässer durchstreiften, starben vor Millionen Jahren aus.
Doch wie ein Projektor aus der Vergangenheit kann schon eine verstreute Handvoll in Gestein eingebetteter Zähne eine ganze verlorene Welt sichtbar machen.
Die Ergebnisse wurden in Cretaceous Research veröffentlicht.
Dieser Artikel wurde von Rebecca Dyer auf Fakten geprüft und von Rebecca Dyer redigiert. Wir sind zwar stolz auf unseren Prozess, aber auch nur Menschen. Falls Ihnen ein Fehler auffällt, teilen Sie ihn uns bitte mit.
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