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Australiens MQ-28A Ghost Bat feuert AIM-120 AMRAAM im Luft-Luft-Test ab

Unbemanntes militärisches Drohnenflugzeug auf Asphaltpiste mit Personen und Jet im Hintergrund in Wüstenumgebung.

Australiens experimentelle Drohne MQ-28A Ghost Bat hat einen scharfen Luft-Luft-Flugkörper abgefeuert und damit gezeigt, dass sie weit mehr kann als nur in der Luft zu kreisen und aus der Distanz zu beobachten. Der Test mit einer echten AIM-120 AMRAAM weist auf eine Zukunft hin, in der unbemannte Jets gemeinsam mit menschlichen Piloten und teils vor ihnen kämpfen.

Erster AMRAAM-Abschuss der Ghost Bat in Woomera

Der wegweisende Abschuss erfolgte am 8. Dezember auf dem weitläufigen Woomera Range Complex in Südaustralien. Er war Teil der Erprobung Kareela 25-4 der Royal Australian Air Force (RAAF).

Bei dem Versuch feuerte eine MQ-28A Ghost Bat eine scharfe AIM-120 Advanced Medium-Range Air-to-Air Missile auf eine in Australien gefertigte, strahlgetriebene Phoenix-Zieldrohne ab. Der Flugkörper zerstörte das Ziel erfolgreich. Damit ist bestätigt, dass das Flugzeug eine der westlichen Standardwaffen für Luft-Luft-Kämpfe außerhalb der Sichtweite einsetzen kann.

Die MQ-28A Ghost Bat hat nun ein vollständiges Luft-Luft-Gefecht mit scharfem Schuss einer AIM-120 AMRAAM demonstriert und vollzieht damit den Schritt vom Erprobungsmuster zu einem ernsthaften Kandidaten für Kampfeinsätze.

Während des Einsatzes flog die Ghost Bat als sogenannter „loyal wingman“ in einem kleinen vernetzten Verbund. Zu diesem gehörten ein E-7A Wedgetail zur luftgestützten Frühwarnung und Führung der RAAF sowie eine unterstützende F/A-18F Super Hornet. Zusammen bildeten sie ein kooperatives Einsatzpaket: Die Wedgetail übernahm Aufklärung und Gefechtsführung, der Kampfjet brachte zusätzliche Feuerkraft ein, und die Drohne fungierte als unbemannter Waffenträger.

Wie der Raketenabschuss wahrscheinlich ablief

Die Verantwortlichen haben nicht sämtliche Einzelheiten des Ablaufs veröffentlicht. Unklar bleibt insbesondere, wie die Ghost Bat ihr Ziel aufspürte und verfolgte und welche Plattform die Führung des Einsatzes innehatte.

Aufnahmen der Erprobung zeigen eine MQ-28A mit einer einzelnen AMRAAM an einem Pylon auf der linken Rumpfseite direkt unterhalb des Triebwerkseinlasses. Die Drohne besitzt in ihrem derzeitigen Entwicklungsstand keinen internen Waffenschacht. Der Flugkörper wird daher außen getragen, was die Radarsignatur vergrößert, seine Integration jedoch vereinfacht.

Der Bugbereich des Flugzeugs ist modular aufgebaut und lässt sich für unterschiedliche Sensoren austauschen. Bei früheren Tests flogen mindestens zwei MQ-28 mit einem Infrarot-Such- und Verfolgungssensor (IRST) im Bug, bei dem es sich vermutlich um ein Selex-System handelte. In den Bildern von Trial Kareela 25-4 war dieser Sensor allerdings nicht zu erkennen.

Die Drohne verfügte jedoch über ein auffällig gezacktes Radom, das auf die vorgesehene Integration eines bordgestützten Radars hindeutet – entweder bereits jetzt oder in künftigen Varianten. Damit kommen grundsätzlich drei Wege infrage, über die Zieldaten zum Flugkörper gelangt sein könnten:

  • Die MQ-28 verfolgte das Phoenix-Ziel mit ihrem eigenen Radar oder anderen Bordsensoren.
  • Die E-7A Wedgetail übermittelte der Drohne präzise Zieldaten über einen gesicherten Datenlink.
  • Die F/A-18F Super Hornet erkannte und verfolgte das Ziel und gab der Ghost Bat anschließend den Schießbefehl.

Offiziell hieß es lediglich, der Test habe ein „taktisch relevantes Szenario“ dargestellt. Das deutet darauf hin, dass der Ablauf einer realistischen Gefechtssituation ähneln sollte und nicht bloß ein einfacher Schuss auf dem Übungsplatz war.

Bedeutung des Tests für Australien

Canberra betrachtet diesen einzelnen Raketenstart keineswegs nur als öffentlichkeitswirksames Ereignis. Er ist Teil eines umfassenderen Vorhabens, die Ghost Bat vom experimentellen Demonstrator zu einem Kampfsystem für den Fronteinsatz weiterzuentwickeln.

Australische Verteidigungsplaner sehen die MQ-28A als „Collaborative Combat Aircraft“, das die Reichweite, Überlebensfähigkeit und Feuerkraft bemannter Jets erweitern soll, anstatt diese zu ersetzen.

Zeitgleich mit der Bekanntgabe des erfolgreichen Tests bestätigte die australische Regierung neue Mittel von rund 930 Millionen $ für kooperative Luftkampffähigkeiten. Ein großer Anteil davon ist für das MQ-28A-Programm vorgesehen, darunter:

MQ-28A-Stufe Aufgabe Status
Block 1 Vorserienprototypen, grundlegende Fähigkeiten Acht Flugzeuge ausgeliefert
Block 2 Weg zur ersten operativen Nutzung Bestehender Auftrag plus sechs neue Einsatzflugzeuge
Block 3 Weiterentwickelter Prototyp, möglicher interner Waffenschacht Entwicklung finanziert

In einer offiziellen Erklärung betonte der Minister für die Verteidigungsindustrie, Pat Conroy, dass die Ghost Bat menschliche Piloten unterstützen und nicht ersetzen solle. Seiner Einschätzung nach könnte ein einzelner bemannter Kampfjet mit mehreren MQ-28 ein deutlich größeres Gebiet überwachen und mehrere Bedrohungen aus sicherer Entfernung bekämpfen, während die Piloten weiter außerhalb feindlicher Feuerbereiche blieben.

Australiens Rolle im weltweiten Wettlauf um Kampfdrohnen

Die Ghost Bat gilt als eines der ausgereiftesten westlichen Konzepte eines „loyal wingman“ beziehungsweise eines Collaborative Combat Aircraft (CCA). Während die USA ihr eigenes CCA-Programm vorantreiben, lag Australien beim tatsächlichen Flugbetrieb und Waffeneinsatz einer solchen Plattform vorn.

Den ersten erfolgreichen scharfen Luft-Luft-Abfang mit einer Drohne dieses Typs erzielte sie dennoch nicht. Ende 2025 schoss das türkische unbemannte Kampfflugzeug Kizilelma mit der im eigenen Land entwickelten radargelenkten Luft-Luft-Rakete Gökdoğan eine Zieldrohne ab und sicherte sich damit diesen speziellen ersten Erfolg.

Das australische Programm zeichnet sich jedoch durch seine umfangreiche staatliche Unterstützung, das geplante Investitionsvolumen für Drohnen – mehr als 6,6 Milliarden $ in den kommenden zehn Jahren, davon mindestens 2,8 Milliarden $ für unbemannte Luftfahrtsysteme – sowie das hohe Exportpotenzial der MQ-28 aus. Da das Design unter australischer Führung entwickelt wurde und nicht vollständig an US-Exportkontrollen gebunden ist, haben Länder wie Polen und sogar Teile der US Navy Interesse gezeigt.

Was die MQ-28 Ghost Bat unterscheidet

Anders als klassische Drohnen, die überwiegend Kameras und gelegentlich Bomben tragen, wurde die MQ-28A für die Einbindung in ein anspruchsvolles Luftkampfsystem entwickelt. Ihre wichtigsten Konstruktionsmerkmale dienen genau dieser Aufgabe:

  • Modularität: Der vollständige Bugbereich kann ausgetauscht werden, um neue Sensoren wie Radar oder IRST aufzunehmen, ohne das gesamte Flugzeug neu konstruieren zu müssen.
  • Geringe Erkennbarkeit: Die Zelle wurde mit Blick auf eine reduzierte Radarsignatur gestaltet, insbesondere falls spätere Blöcke Waffen intern mitführen.
  • Vernetzung: Die Drohne soll Daten mit Wedgetails, Kampfjets und Bodenstationen austauschen und sowohl als Sensor als auch als Waffenträger wirken.
  • Kostenorientierung: Sie ist kostengünstiger als ein bemannter Kampfjet ausgelegt, wodurch „Schwärme“ oder kleine Drohnenteams erschwinglicher werden.

Boeing und die RAAF haben bereits Einsätze mit mehreren Flugzeugen demonstriert. Berichten zufolge steuerte eine Wedgetail dabei zwei reale Ghost Bats und ein drittes, virtuelles Flugzeug in einer Simulation, während alle gegen ein Ziel zusammenwirkten. Diese Erprobungen legten die Grundlage für den AMRAAM-Abschuss, bei dem die Drohne Waffenmanagement, Flugführung und Datenlink-Aufgaben gleichzeitig bewältigen musste.

Folgen für den künftigen Luftkampf

Der AMRAAM-Abschuss deutet auf ein nahes Zukunftsszenario hin, in dem nicht zwingend ein menschlicher Pilot in einem Kampfjet die Rakete startet. Stattdessen könnte eine Wedgetail-Besatzung oder eine Kampfjet-Crew eine Bedrohung in Hunderten Kilometern Entfernung entdecken und dann einer oder mehreren Ghost Bats den Auftrag zum Angriff geben, während die bemannten Flugzeuge in sicherer Abstandsstellung bleiben.

Das verändert die Risikobewertung. Kommandeure könnten bereit sein, unbemannte Jets in stark verteidigten Luftraum zu schicken, der für eine bemannte Formation zu gefährlich wäre. Zugleich wirft der Einsatz autonomer oder teilautonomer Waffenträger schwierige Fragen zu Einsatzregeln und menschlicher Kontrolle auf.

Das langfristige Ziel ist eine gemischte Streitmacht, in der jeder bemannte Jet von mehreren Drohnen umgeben ist, die als flexibler, teilautonomer Verband unter der Führung von ein oder zwei Piloten operieren.

Nachteile gibt es ebenfalls. Außen angebrachte Waffen verringern die Tarnwirkung. Hochentwickelte Sensoren erhöhen die Kosten. Die Autonomie-Software muss streng getestet werden, um Risiken durch Eigenbeschuss und unbeabsichtigte Gefechte auszuschließen. Zudem wird jedes so stark vernetzte Flugzeug zu einem vorrangigen Ziel für Cyberangriffe und elektronische Kampfführung.

Zentrale Begriffe und Technologien erklärt

Was ist eine AIM-120 AMRAAM?

Die AIM-120 Advanced Medium-Range Air-to-Air Missile ist ein radargelenkter Flugkörper, der von zahlreichen westlichen Luftstreitkräften eingesetzt wird. Nach dem Start kann sie auf einem Teil der Flugstrecke von der abfeuernden Plattform oder einem anderen Flugzeug geführt werden. In der Endphase schaltet sie auf ihren eigenen aktiven Radarsucher um, um das Ziel selbstständig anzusteuern. Das ermöglicht die Fähigkeit „Feuern und vergessen“: Piloten können abdrehen oder andere Bedrohungen bekämpfen.

Was bedeutet loyal wingman oder CCA?

Der Begriff „loyal wingman“ bezeichnet ein unbemanntes Luftfahrzeug, das gemeinsam mit bemannten Kampf- oder Aufklärungsflugzeugen operiert und risikoreiche Aufgaben übernimmt. Dazu zählen etwa das Vorausaufklären, das Mitführen zusätzlicher Waffen oder das Anziehen gegnerischen Feuers. Collaborative Combat Aircraft (CCA) ist die weiter gefasste Bezeichnung für Drohnen, die in einem kooperativen Team mit bemannten Plattformen und weiteren Drohnen kämpfen und über gesicherte Netzwerke Daten und Aufträge austauschen.

Praktisch könnte dies beispielsweise aus einem Verband von vier bemannten Kampfjets bestehen, von denen jeder eine oder zwei Ghost Bats kontrolliert. Die Drohnen könnten als vorgeschobener Sensorschirm agieren, feindliche Jäger oder Boden-Luft-Raketen erkennen und entweder Ziele markieren oder Waffen abfeuern. Die menschlichen Piloten wären dann weniger reine Flugzeugführer als Einsatzkommandeure einer kleinen Luftfahrzeugflotte.

Risiken und Vorteile bewaffneter Drohnen im Luft-Luft-Kampf

Die Bewaffnung von Drohnen für Luft-Luft-Aufgaben bietet klare Vorteile. Streitkräfte können bei gleicher Anzahl menschlicher Piloten mehr Flugkörper und Sensoren in die Luft bringen. Unbemannte Flugzeuge lassen sich in umkämpfte Gebiete schicken, in denen Verluste wahrscheinlich sind. Außerdem ermöglichen sie das Erproben neuer Taktiken, ohne Besatzungen zu gefährden.

Diesen Vorteilen stehen konkrete Risiken gegenüber. Komplexe Formen der Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine erfordern verlässliche Kommunikation; Störungen oder Cyberangriffe könnten den gesamten Verband beeinträchtigen. Zudem gibt es eine politische und ethische Debatte darüber, wie viel Autonomie eine bewaffnete Drohne erhalten sollte, selbst wenn ein Mensch jeden Schuss freigibt. Luftstreitkräfte müssen Systeme so auslegen, dass Piloten auch unter Belastung eine wirksame Kontrolle behalten und klare Schutzmechanismen gegen Fehlidentifizierung oder technische Störungen bestehen.

Für Australien ist der AMRAAM-Test der Ghost Bat ein Beleg dafür, dass diese Debatten nicht länger rein theoretisch sind. Die Technologie ist vorhanden, Raketen werden von unbemannten Jets gestartet, und Verteidigungshaushalte werden umgeschichtet, um Prototypen in Flotten zu überführen. Andere Staaten werden den Himmel über der Wüste von Woomera aufmerksam beobachten, während sie ihre eigenen nächsten Schritte planen.

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