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Donau auf historischem Tiefstand: Energie-Notstand in Europa

Mann in Warnweste auf ausgetrocknetem Flussbett mit gestrandeten Schiffen und Industrie im Hintergrund.

Europa erlebt einen aussergewöhnlich heissen und trockenen Sommer. Riesige Waldbrände haben dadurch in Frankreich und Spanien Tausende Hektar zerstört und Hunderttausende Menschen zur Evakuierung gezwungen. Besonders schwer sind die Folgen für die heimische Tier- und Pflanzenwelt.

Gleichzeitig trifft eine historische Dürre die grossen Flüsse des Kontinents, darunter den Rhein in Deutschland und den Po in Italien. Auch die Donau, der legendäre Strom, führt historisch wenig Wasser. In Budapest etwa ist der Wasserstand auf nur wenige Zentimeter gesunken und hat damit alle bisherigen Rekorde deutlich unterschritten.

Angesichts dieser beispiellosen Lage haben Rumänien und Ungarn Notfallmassnahmen beschlossen. Sie reagieren damit auf eine unmittelbar drohende Gefahr: einen massiven Strommangel.

Die Donau, eine Lebensader für den Alten Kontinent

Mit einer Länge von rund 2.850 Kilometern ist die Donau nach der Wolga der zweitlängste Fluss Europas. Sie entspringt im Schwarzwald in Deutschland, durchquert oder berührt zehn Staaten – darunter Österreich, die Slowakei, Ungarn, Kroatien, Serbien, Rumänien und Bulgarien – und mündet schliesslich ins Schwarze Meer.

Als zentrale Lebensader des Alten Kontinents versorgt sie Millionen Menschen mit Trinkwasser. Zudem ist sie eine unverzichtbare Wasserstrasse für Gütertransport und Tourismus und stellt mehreren bedeutenden Energieanlagen der Region das für die Kühlung benötigte Wasser bereit.

Wassermangel bedroht das Herz der Kernenergie

Das Wasser dieser Flüsse dient nicht ausschliesslich der Schifffahrt oder Bewässerung: Für Kernkraftwerke ist es ebenso ein lebenswichtiges Kühlsystem. In Ungarn steht das Kernkraftwerk Paks, das allein rund die Hälfte des landesweiten Stroms erzeugt, deshalb massiv unter Druck. Die Anlage musste ihre Leistung bereits stark drosseln und lief nur noch mit 10 % ihrer Kapazität. In den kommenden Tagen wird sogar eine vollständige Abschaltung befürchtet – eine Situation, die es in mehr als vier Jahrzehnten Betrieb noch nicht gegeben hat.

Auch die Reaktoren des Kernkraftwerks Cernavodă in Rumänien sind gefährdet. Die rumänische Marine führte deshalb spektakuläre Sprengarbeiten durch, um Felsen zu sprengen und den Wasserfluss zum Standort umzuleiten. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, um einen umfassenden Stromausfall zu verhindern, denn beide Länder sind stark auf ihre Atomstromproduktion angewiesen.

Kettenreaktion für Bevölkerung und Wirtschaft

In Ungarn haben Tausende Haushalte sowie mehr als 300 Unternehmen ihren Verbrauch freiwillig reduziert. Grosse Pharma- und Industriekonzerne schlossen sich diesen Bemühungen an. Dadurch konnte das belastete Stromnetz zwar etwas entlastet werden, doch notwendige Stromimporte dürften sehr teuer ausfallen.

Die Auswirkungen reichen weit über die Energieversorgung hinaus und verändern den Alltag grundlegend. In mehr als hundert Städten und Dörfern wurden Wasserbeschränkungen verhängt, während Flussschifffahrt und Tourismus erheblich beeinträchtigt sind. Zugleich legt der drastische Rückgang des Flusses Überreste aus der Vergangenheit frei: Schiffswracks und sogar prähistorische Knochen. Das verdeutlicht die Verletzlichkeit unserer Infrastruktur gegenüber dem Klimawandel.

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