Trotz ihrer Verbindung mit planetenzerstörender Verwüstung und Aussterben können Gesteinsbrocken aus dem All ein kosmisches Geschenk sein.
Meteoriten, die zu klein sind, um die Erde in die Luft zu sprengen, eröffnen Einblicke in völlig fremdartige Umgebungen – darunter solche, die wesentlich älter als das Sonnensystem sind.
Vor Jahrtausenden dürften Meteoriten noch kostbarer gewesen sein: sowohl als Symbole als auch als sehr geschätzte Eisenquelle für Gesellschaften vor der Eisenzeit.
Dazu gehörten auch die legendär einflussreichen Kulturen vor den Griechen – etwa die für den Minotaurus berühmten Minoer sowie die Mykener aus Ilias und Odyssee. Einer neuen Studie im Journal of Archaeological Science zufolge trugen sie auffällige Ringe aus Meteoriten, um Rang und Macht zu demonstrieren.

Meteoriten in der Handwerkskunst der Antike
Im Lauf der Geschichte verarbeiteten Menschen weltweit Meteoriten zu Werkzeugen, Waffen und Schmuck: zu Schabern in Grönland, axtähnlichen Votivgaben in China, Schmuckstücken im präkolumbischen Amerika und glückverheißenden Amuletten, die in Ägypten Hirten und ihre Kamele schützen sollten. Dort fasziniert auch weiterhin der berühmte rätselhafte Weltraumdolch von König Tutanchamun.
Im Griechenland der Bronzezeit schienen solche Objekte jedoch zu fehlen.
Daher gingen die Forschenden zwei grundlegenden Fragen nach: Verarbeiteten auch Minoer und Mykener meteoritisches Eisen in ihren vielfältigen, kunstvoll gefertigten Gegenständen? Und wann begannen diese bedeutenden Metallhandwerker, Eisen zu verhütten?
Minoische und mykenische Meteoritenringe im Test
Während ihrer „fünfjährigen Odyssee“ untersuchte das Forschungsteam die chemische Zusammensetzung von mehr als 100 Artefakten aus dem Gebiet des heutigen Griechenlands. Im Mittelpunkt standen 91 Eisenobjekte, überwiegend Ringe, Armreifen und Messer, die aus der Bronzezeit vor etwa 3.800 bis 3.000 Jahren stammen.
Mithilfe zerstörungsfreier Röntgenfluoreszenz wiesen die Forschenden in 13 dieser Objekte Nickel nach. Sie könnten daher aus Meteoriten-Eisen geschmiedet worden sein.
Bemerkenswerterweise handelt es sich bei allen 13 Stücken um prächtige, Skyrim-würdige Fingerringe, in die zusätzlich Metalle wie Gold oder Silber eingearbeitet wurden. Die Ringe besitzen zudem Fassungen, die möglicherweise Siegelsteine getragen haben, etwa königliche Siegel.

Die meisten Ringe stammen außerdem aus prunkvollen Bestattungsstätten, etwa Gräbern in Mykene. Ganz wie in einer Fantasy-Erzählung wurde ein Ring in einer minoischen Nekropole entdeckt – noch immer am Finger eines mutmaßlichen Hohepriesters.
„Diese Beobachtungen führten uns zu der Vermutung, dass Ringe, die wahrscheinlich aus Meteoriten gefertigt waren, bei bedeutenden Personen und Angehörigen der minoischen und mykenischen Palastelite beliebte Machtsymbole gewesen sein könnten“, erklären die Forschenden.
Eisen aus dem All und verhüttetes Eisen
Das meteoritische Eisen könnte aus Ägypten importiert worden sein, statt vor Ort gefunden worden zu sein. Die Geografie Griechenlands ist Meteoriten wenig zuträglich, da sie dort zerfallen oder vom Meer verschluckt werden können.
Die trockenen Wüsten Ägyptens, die Meteoriten vor Oxidation und Auflösung schützen, eignen sich weitaus besser für ihre Ansammlung.
Zudem stellten die Forschenden fest, dass 78 der Eisenobjekte aus verhüttetem statt aus kosmischem Eisen bestanden. Solche Gegenstände aus verhüttetem Eisen könnten bereits um 1400 v. Chr. in der Bronzezeit aufgetaucht sein – allerdings wurden nur zwei davon, ein Anhänger und ein Ring, vor 1200 v. Chr. angefertigt.
Im Vergleich zu Funden aus Anatolien „scheint sich die Verwendung von menschengemachtem Eisen in Griechenland irgendwie verzögert zu haben“, merken die Forschenden an. Sie nennen auch die Möglichkeit, dass diese Gegenstände aus Regionen wie Zypern importiert wurden.
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Der Trend zu Meteoritenringen hielt bis etwa 1200 v. Chr. an und könnte aus unterschiedlichen Gründen verschwunden sein – etwa wegen Schwierigkeiten bei Angebot oder Nachfrage oder aus dem schlichtesten und menschlichsten Grund überhaupt: wechselhaftem Modegeschmack.
„Es ist möglich, dass die Mode meteoritischer Fingerringe, die fast ausschließlich für die minoische und mykenische Spätbronzezeit typisch war, wie jede Mode ‚natürlich‘ abgeklungen ist“, schließen die Forschenden.
Die Studie wurde im Journal of Archaeological Science veröffentlicht.
Dieser Artikel wurde von Rachel Garner auf Fakten geprüft und von Rebecca Dyer redigiert. Wir sind stolz auf unseren Prüfprozess, aber auch wir sind nur Menschen. Wenn Sie einen Fehler entdecken, teilen Sie ihn uns bitte mit.

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