In jüngsten Beiträgen in sozialen Netzwerken haben lokale Beobachter offenbar die ersten Aufnahmen eines trägergestützten J-15T-Kampfflugzeugs der chinesischen Marine veröffentlicht, das mit den neuen Seezielflugkörpern YJ-15 ausgerüstet ist. Diese Raketen waren bereits bei den Militärparaden im vergangenen September gezeigt worden. Auf dem veröffentlichten Material ist unter jeder Tragfläche jeweils ein Flugkörper zu erkennen, was auf eine weitere Verstärkung des chinesischen Arsenals zur Schiffsbekämpfung hindeutet.
J-15T mit YJ-15: Merkmale des neuen Seezielflugkörpers
Der neue chinesische Flugkörper weist äußerlich deutliche Ähnlichkeiten mit dem russischen Kh-31 auf. Er scheint über vier Lufteinlässe zu verfügen, was auf einen für Überschallgeschwindigkeit ausgelegten Staustrahlantrieb hindeuten könnte. Hinzu kommen offenbar vier lange Längsleitwerke sowie vier kleinere Flächen zur Stabilisierung der Flugbahn. Aufgrund seiner Abmessungen wird angenommen, dass genügend Raum für Treibstoff vorhanden ist, um eine Reichweite von rund 1.800 Kilometern zu erzielen.
Nach Einschätzung von Analysten könnte es sich um eine Weiterentwicklung des YJ-12 handeln, der sowohl von Luft- als auch von Bodenplattformen eingesetzt werden kann. Diese Flugkörper gehören nachweislich bereits zur Bewaffnung chinesischer H-6-Bomber. Mehrere Fotos belegen, dass diese Maschinen bis zu vier Exemplare mitführen können – jeweils zwei unter jeder Tragfläche. Zudem gibt es Hinweise auf Ausführungen, die von mobilen landgestützten Startrampen mit einer nahezu ballistischen Flugbahn abgefeuert werden. Dies könnte auf ein vergleichbares Flugprofil des YJ-15 hinweisen.
YJ-15 ergänzt Chinas Palette an Seezielflugkörpern
Im Rahmen des fortschreitenden Ausbaus chinesischer Raketenfähigkeiten ist hervorzuheben, dass der YJ-15 einer von drei Flugkörpertypen mit der Bezeichnung YJ war, die bei den Paraden im September vorgestellt wurden. Die Kennung YJ wird üblicherweise mit Waffen zur Schiffsbekämpfung verbunden. Ebenfalls gezeigt wurden mutmaßlich der luftgestützte YJ-17, dem Hyperschallfähigkeiten zugeschrieben werden, sowie der zweistufige und von einem Staustrahlantrieb angetriebene YJ-19. Da alle drei Systeme gleichzeitig präsentiert wurden, wird davon ausgegangen, dass Peking ihre Aufnahme in den operativen Dienst bald bestätigen könnte. Damit würde sich das Spektrum der chinesischen Marine für hochintensive Kampfszenarien deutlich erweitern.
Küstenverteidigung und A2/AD im Pazifik
China verfügt darüber hinaus über eine breite Auswahl von Flugkörpern zur Ausrüstung seiner Küstenverteidigungsbatterien und festigt damit seine Fähigkeit, im Pazifik ein abgestuftes A2/AD-Netzwerk aufzubauen. Zu den wichtigsten Systemen in diesem Bereich zählt die ballistische Rakete DF-21D, die speziell zur Bekämpfung von Flugzeugträgern entwickelt wurde. Sie besitzt einen manövrierfähigen Wiedereintrittskörper (MaRV), der das Ziel auf einer abwärts gerichteten Flugbahn angreifen kann.
Der Einsatz eines J-15T zur Präsentation der neuen YJ-15 unterstreicht schließlich dessen Stellung als wichtigstes Kampfflugzeug der chinesischen Marinefliegerei und erweitert seine Fähigkeiten für Luft-Boden-Angriffe. Als Rückgrat der künftigen trägergestützten Luftgruppen der chinesischen Marine soll das Flugzeug gemeinsam mit dem moderneren und tarnkappenfähigen J-35 operieren, der bereits beim Start vom Deck des Flugzeugträgers Fujian beobachtet wurde. Hinzu kommen die Frühwarnflugzeuge KJ-600, die als „vorgeschobene Augen“ der Kampfverbände fungieren.
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