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Studie verknüpft Mikrobiom mit psychopathischen Merkmalen

Wissenschaftler im Labor analysiert transparente Folie mit menschlichen Organen und bunten Bakterienmodellen.

Je mehr wir über das Mikrobiom herausfinden, desto deutlicher wird, wie tiefgreifend es mitbestimmt, wer wir werden.

Bereits bekannt ist, dass die Mikroben in unserem Körper unsere Emotionen beeinflussen können – einschließlich unserer Angstreaktion. Doch wie weit reicht ihr Einfluss, wenn es darum geht, unsere Persönlichkeit zu prägen?

Die Forschung legt nahe: erstaunlich weit.

In einer neuen, vorab veröffentlichten Studie in Translational Psychiatry fanden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Hinweise darauf, dass die Mikrobiota sogar die Ausprägung von Psychopathie beeinflussen könnte. Sie entdeckten Zusammenhänge zwischen den Mengen bestimmter Darm- und Mundmikroben und psychopathischen Persönlichkeitsmerkmalen.

Die Ergebnisse wurden zwar noch nicht einem Peer-Review-Verfahren unterzogen, doch nach Angaben des Forschungsteams liefern sie erstmals Hinweise darauf, wie die Mikrobiota zu psychopathischen Merkmalen beitragen könnte. Deren biologische Grundlagen sind bislang nur unzureichend verstanden.

Psychopathie ist ein Persönlichkeitskonstrukt, das unter anderem durch Empathiemangel, antisoziale Neigungen, Impulsivität und Egoismus gekennzeichnet ist. Wie psychopathische Persönlichkeiten entstehen, ist jedoch weiterhin nicht vollständig geklärt.

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Es ist bekannt, dass Menschen mit Psychopathie Ähnlichkeiten in der Hirnstruktur aufweisen können. Bestimmte Regionen und Signalwege im Gehirn, darunter der präfrontale Cortex, werden häufig mit diesem Phänomen in Verbindung gebracht.

Mikrobiom und psychopathische Merkmale

Nach Ansicht der Forschenden muss jedoch mehr dahinterstecken.

„Obwohl angenommen wird, dass Veränderungen im Gehirn, insbesondere im präfrontalen Cortex und in temporolimbischen Bereichen, direkt an Psychopathie beteiligt sind, reichen diese allein nicht aus, um eine umfassende neurobiologische Erklärung für psychopathisches Verhalten zu liefern“, erläutert das Forschungsteam in seiner Arbeit. Erstautorin ist die biomedizinische Wissenschaftlerin Carolina Costa von der Universität Porto in Portugal, gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen.

„Wir stellten die Hypothese auf, dass die Zusammensetzung der Darm- und oralen Mikrobiota mit subklinischen psychopathischen Persönlichkeitsmerkmalen assoziiert sein könnte … Nach unserem Wissen ist dies die erste Studie, die diesen Zusammenhang untersucht.“

Für ihre Untersuchung analysierten Costa und ihr Team 200 gesunde erwachsene Teilnehmende. Diese beantworteten die Self-Report Psychopathy Scale-Short Form – einen Fragebogen zur Erfassung psychopathischer Merkmale – und gaben Blut-, Speichel- sowie Stuhlproben ab. Die Proben wurden auf die bakterielle Zusammensetzung des Körpers und verschiedene Stoffwechselmarker untersucht.

Eine Frau verbirgt sich hinter ihrem Pony

Psychopathie ist ein Persönlichkeitskonstrukt, das durch Empathiemangel, antisoziale Neigungen, Impulsivität und Egoismus geprägt ist. (disqis/Getty Images)

Bei der Auswertung der individuellen Vielfalt der Darm- und Mundmikroben zeigte sich zunächst kein eindeutiger Bezug zur Psychopathie. Das Bild änderte sich jedoch, als die Ergebnisse der Teilnehmenden miteinander verglichen wurden.

Aus dieser Perspektive war eine höhere Häufigkeit von drei konkreten Bakterienarten positiv mit stärker ausgeprägten psychopathischen Merkmalen verbunden.

Wer im Darmmikrobiom mehr Mikroben der Gattungen Allisonella oder Prevotella trägt – oder mehr Bakterien der Art Cloacibacillus evryensis –, könnte dieser Analyse zufolge mit höherer Wahrscheinlichkeit psychopathische Merkmale zeigen.

Wichtig ist: Keines dieser Ergebnisse erlaubt Aussagen über Ursache und Wirkung; die Untersuchung zeigt ausschließlich Korrelationen in den Daten auf.

Mögliche Rolle von Darm- und Mundbakterien

Falls diese Mikroben das Verhalten von Menschen hypothetisch in Richtung psychopathischer Neigungen beeinflussen, stellt sich die Frage: auf welche Weise?

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Eine sichere Antwort gibt es nicht. Die Forschenden weisen jedoch darauf hin, dass Allisonella bereits zuvor mit mehreren menschlichen Erkrankungen in Verbindung gebracht wurde. Sein mögliches Potenzial, Entzündungen zu fördern – die mit Angst und Depressionen assoziiert sind –, könnte seine denkbare Rolle bei Psychopathie erklären helfen.

Auch Prevotella wurde schon mit neuropsychiatrischen Erkrankungen verknüpft und soll die emotionale Verarbeitung beeinflussen. Die Verbindung zu C. evryensis könnte nach Einschätzung des Teams wiederum damit zusammenhängen, dass die Art mutmaßlich Gamma-Aminobuttersäure (GABA) produziert. Dieser hemmende Neurotransmitter ist an Systemen beteiligt, die die Impulskontrolle regulieren.

Interessanterweise zeigte eine Art in der Analyse einen negativen Zusammenhang: Höhere Mengen von Treponema vincentii im oralen Mikrobiom waren mit niedrigeren Psychopathie-Markern verbunden. Die Forschenden räumen allerdings ein, dafür keine Erklärung zu haben.

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Zwar ist noch erheblich mehr Forschung erforderlich, um besser zu verstehen, wie diese Darmmikroben zu psychopathischen Merkmalen beitragen könnten. Dennoch liefern die Befunde wichtige neue Ansatzpunkte – und könnten Klinikerinnen und Kliniker eines Tages dabei unterstützen, Menschen zu erkennen, die diese dunklen Impulse zeigen.

„Insgesamt unterstreichen unsere Ergebnisse das Potenzial der Mikrobiota und ihrer Stoffwechselprodukte als Biomarker für psychopathische Merkmale in der Allgemeinbevölkerung“, schreiben die Forschenden.

„Die von uns beobachteten Zusammenhänge, insbesondere zwischen spezifischen Taxa (z. B. Allisonella, Prevotella, C. evryensis, T. vincentii) und Merkmalen wie Gefühllosigkeit, Manipulation, Impulsivität und Antisozialität, deuten auf einen messbaren biologischen Fußabdruck der Psychopathie hin, der über traditionelle neurokognitive Modelle hinausgeht.“

Die Ergebnisse wurden in Translational Psychiatry veröffentlicht.

Dieser Artikel wurde von Rebecca Dyer auf Fakten geprüft und von Rebecca Dyer redigiert. Wir sind stolz auf unseren Prozess, aber auch wir sind nur Menschen. Falls Ihnen ein Fehler auffällt, teilen Sie ihn uns bitte mit.

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