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F-35A verlassen die Karibik und verschwinden auf dem Weg zum Iran im Geheimen

Zwei Militärjets fliegen über dem Meer, einer betankt ein Tankflugzeug, im Hintergrund ein Flugzeugträger.

US-Tarnkappenjets haben die Karibik plötzlich verlassen, den Atlantik überquert und sind unter operativer Geheimhaltung verschwunden, während die Spannungen zunehmen.

Die unauffällige Verlegung von F-35A-Kampfflugzeugen aus Puerto Rico zu einem abgelegenen Stützpunkt im Atlantik hat Spekulationen darüber ausgelöst, wohin sie als Nächstes fliegen – und welche Aufgabe sie übernehmen könnten, falls die Krise mit dem Iran in einen offenen Konflikt mündet.

F-35 verlassen unbemerkt die Karibik

Beobachter bemerkten die Veränderung erstmals, als eine zuvor in Puerto Rico stationierte Formation von F-35A der US-Luftwaffe die Insel im Schutz regulärer Tankerflüge verliess.

Die Jets gehören zur Vermont Air National Guard. Kürzlich waren sie an Einsätzen beteiligt, die die US-Druckkampagne unterstützten, welche in der Festnahme des venezolanischen Staatschefs Nicolás Maduro gipfelte.

Danach führte die Spur ostwärts.

Aus öffentlich zugänglichen Trackingdaten und Bildern von Luftfahrtbegeisterten ging hervor, dass die Maschinen auf dem Luftwaffenstützpunkt Lajes auf den portugiesischen Azoren eintrafen. Der Standort dient traditionell als Zwischenstation für US-Verlegungen über den Atlantik.

Die Route der F-35 von Puerto Rico nach Lajes deutet auf eine Verlegung über grosse Distanz hin, doch ihr nächster Halt – und ihr Auftrag – bleiben geheim.

Indirekt bestätigt wurde die Bewegung durch ACARS-Nachrichtenverkehr, den Online-Tracker verfolgten. Dieser zeigte, wie KC-46-Pegasus-Tanker mit den Rufzeichen GOLD71 und GOLD72 die F-35 über den Ozean begleiteten.

Nach der Landung in Lajes verliert sich ihre Spur. Weder das US-Zentralkommando CENTCOM noch die Vermont Air National Guard wollen unter Verweis auf die operative Sicherheit erklären, wohin die Jets weiterfliegen.

Aufrüstung im Nahen Osten nimmt Fahrt auf

Der Zeitpunkt der Verlegung wirft Fragen auf, weil sie mit einem raschen Zufluss amerikanischer Luftstreitkräfte in den Nahen Osten zusammenfällt.

Washington und Teheran überziehen sich mit zunehmend schärferen Drohungen. Präsident Donald Trump prüft dabei Optionen, die von Angriffen auf iranische Führungspersönlichkeiten bis hin zu Schlägen gegen Nuklearanlagen und staatliche Einrichtungen reichen.

In den vergangenen Tagen haben die USA bereits eine breite Auswahl an Kampfflugzeugen in die Region verlegt:

  • F-35C-Tarnkappenjäger an Bord des Flugzeugträgers USS Abraham Lincoln
  • F/A-18E/F Super Hornet als Kampfflugzeuge für Angriffe
  • EA-18G Growler für elektronische Kampfführung
  • F-15E Strike Eagle auf dem Luftwaffenstützpunkt Muwaffaq Salti in Jordanien
  • bereits im Einsatzgebiet befindliche F-16 und A-10

Ein elektronisches Aufklärungsflugzeug des Typs RC-135V Rivet Joint operiert von Al Udeid in Katar aus. Zudem wurde eine E-11A Battlefield Airborne Communications Node auf einer Route über Kreta beobachtet, einem weiteren häufig genutzten Zwischenpunkt in das CENTCOM-Gebiet.

Zusammengenommen wirken die Luftbewegungen wie das Muster eines komplexen Angriffspakets: Tarnkappenjets, elektronische Kampfführung, Bomber, Aufklärung und Rettung.

Bedeutung der F-35A für mögliche Iran-Einsätze

Die F-35A, die derzeit über Lajes verlegt werden, entsprechen dem Modell, das im vergangenen Juni bei der „Operation Midnight Hammer“ gegen die iranischen Nuklearanlagen Fordow und Natanz an vorderster Stelle eingesetzt wurde.

Bei diesem Einsatz unterdrückten F-35A des 388th Fighter Wing die gegnerische Luftverteidigung und ebneten damit B-2-Spirit-Bombern mit bunkerbrechenden GBU-57/B Massive Ordnance Penetrator Bomben den Weg.

Berichten zufolge flogen die Jets als Erste in den iranischen Luftraum ein und verliessen ihn zuletzt. Dabei nutzten sie ihre schwer erkennbare Bauweise und moderne Sensorik, um Luftverteidigungen zu erfassen, zu stören und auszuschalten.

Diese Erfahrung macht sie zu einer naheliegenden Option für weitere Angriffspläne – besonders falls Trump neue Attacken auf gehärtete oder tief unterirdische Anlagen anordnet.

Mögliche Aufgaben bei einem Konfliktausbruch

Sollten die F-35A tatsächlich näher am Iran positioniert werden, könnten ihre Aufträge umfassen:

  • Radar- und Boden-Luft-Raketensysteme aufzuspüren und zu schwächen
  • anderen Flugzeugen und weitreichenden Raketen Zieldaten bereitzustellen
  • hochwertige, stark geschützte Kommando- oder Nuklearziele anzugreifen
  • Bomber und nicht getarnte Flugzeuge in umkämpftem Luftraum zu eskortieren

Bestätigt ist davon nichts. Das Muster erinnert jedoch an frühere US-Vorbereitungen vor grösseren Luftkampagnen.

Elektronische Kampfführung und Rettungsflugzeuge werden verlegt

Die F-35 sind nicht die einzigen Mittel, deren Standort sich verändert.

Auch EA-18G Growler haben den Atlantik überquert. Sie verliessen die Naval Air Station Oceana in Virginia mit Kurs auf den Luftwaffenstützpunkt Morón in Spanien. Von dort können sie leicht weiter in Richtung östliches Mittelmeer oder Golfregion verlegt werden.

Growler stören feindliche Radare, Kommunikationssysteme und Sensoren. Ausserdem können sie sowohl Abstandswaffen als auch in gegnerischen Luftraum eindringende Flugzeuge schützen.

Die Verlegung von Growlern gemeinsam mit Tarnkappenjägern ist ein klassisches Zeichen dafür, dass Planer stark verteidigte Ziele im Landesinneren im Blick haben – wie sie im Iran zu finden sind.

In Jordanien ist ein Such- und Rettungsflugzeug vom Typ HC-130J Combat King II mit dem Rufzeichen KING40 auf dem Luftwaffenstützpunkt Muwaffaq Salti gelandet. Flugtrackingdaten deuten darauf hin, dass ein zweiter Combat King aus Rota in Spanien folgen könnte.

Combat-King-Flugzeuge sind dafür ausgelegt, abgestürzte Piloten oder Teams für Spezialoperationen hinter feindlichen Linien zu bergen. Ihre Stationierung in Jordanien zeigt, dass die USA bei Verlusten von Flugbesatzungen über feindlichem Gebiet eine schnelle Rettungsoption bereithalten wollen.

Flugzeug Hauptaufgabe Weshalb es jetzt wichtig ist
F-35A Tarnkappenangriff / SEAD Dringt durch die iranische Luftverteidigung und greift zentrale Ziele an
EA-18G Growler Elektronische Kampfführung Stört Radare und schützt Angriffspakete
HC-130J Combat King II Suche und Rettung im Kampfgebiet Bergt abgestürzte Besatzungen in umkämpften Zonen
WC-135R Constant Phoenix Nukleardetektion Entnimmt Luftproben auf nukleare Materialien und Tests

Flugzeug zur Nukleardetektion und Raketenabwehr ergänzen das Bild

Ein weiteres Flugzeug, das Aufmerksamkeit auf sich zieht, ist eine WC-135R Constant Phoenix. Sie flog von der Offutt Air Force Base in Nebraska zur RAF Mildenhall im Vereinigten Königreich.

Diese „Nuklearspürer“ sammeln Luftproben, um radioaktives Material in der Atmosphäre aufzuspüren und zu charakterisieren. Häufig kommen sie im Umfeld von Nukleartests oder vermuteten Lecks zum Einsatz.

Flüge der Constant Phoenix nach Europa sind nicht ungewöhnlich und könnten daher routinemässig sein. Dennoch wäre eine Verlegung des Jets näher an den Nahen Osten nachvollziehbar, falls US-Planer Angriffe auf Nuklearanlagen durchspielen und Ausgangsdaten benötigen oder einen möglichen Austritt rasch feststellen wollen.

Gleichzeitig treffen vermehrt Transportflugzeuge des Typs C-17 und C-5M mit Ausrüstung und Personal in der Region ein. Auch Luftverteidigungssysteme vom Typ Patriot und THAAD werden stationiert, um den Schutz vor iranischen Raketen und Drohnen zu verstärken.

Raketenabwehr, Rettungsmittel, Flugzeuge für elektronische Kampfführung und Tarnkappenjäger deuten gemeinsam auf ernsthafte Vorbereitungen hin, selbst wenn noch kein endgültiger Angriffsbefehl erteilt wurde.

Iran reagiert mit Drohnen und Zivilschutz

Teheran bleibt ebenfalls nicht untätig.

Iranische Vertreter erklären, dass landesweit 1.000 „strategische Drohnen“ zu Einheiten der Armee hinzugefügt worden seien. Sie sprechen von einer Kombination aus Angriffs-, Aufklärungs- und Modellen für elektronische Kampfführung, die auf neue Bedrohungen und jüngste Kampferfahrungen zugeschnitten seien.

Bilder wurden nicht veröffentlicht, und Behauptungen zur iranischen Verteidigung übertreffen häufig die Realität. Dennoch verfügt der Iran über Erfahrung mit dem massenhaften Einsatz von Drohnen und Marschflugkörpern in früheren Auseinandersetzungen, unter anderem gegen die saudische Ölinfrastruktur.

Seine Systeme mit geringerer Reichweite, die von früheren israelischen Angriffen weniger betroffen waren, könnten bei Beginn von Kämpfen gegen US-Stützpunkte, Häfen und Schiffe in der gesamten Region eingesetzt werden.

Teheran bereitet zudem die Bevölkerung vor. Der Bürgermeister der Hauptstadt kündigte an, Tiefgaragen und U-Bahn-Stationen in Notunterkünfte umzuwandeln. Warnsysteme und Schutzmassnahmen sollen schrittweise eingeführt werden.

Diplomatischer Druck und militärische Übung laufen parallel

Während militärische Mittel auf Karten verschoben werden, geht die Diplomatie im Hintergrund weiter.

Ägypten, Katar, Oman und Saudi-Arabien versuchten jeweils, eine Unterbrechung zu vermitteln, bislang jedoch mit begrenztem Erfolg. Berichten zufolge warnte der Iran, ein US-Angriff werde Ziele „in der gesamten Region“ eröffnen. Washington prüft derweil eine „gross angelegte Bombenkampagne“, die sich auf Ziele des Regimes und des Korps der Islamischen Revolutionsgarden konzentriert.

Komplizierter wird die Lage durch die Entscheidungen Saudi-Arabiens und der Vereinigten Arabischen Emirate, den USA für einen Angriff auf den Iran weder ihren Luftraum noch ihre Stützpunkte zur Verfügung zu stellen. Dadurch müssen die Planer längere Routen sowie eine stärkere Abhängigkeit von Flugzeugträgern und regionalen Partnern wie Jordanien und Katar einplanen.

CENTCOM betont seinerseits, dass eine mehrtägige Bereitschaftsübung läuft. Sie soll zeigen, dass das Kommando Luftstreitkräfte schnell verlegen, verteilen und dauerhaft versorgen kann. Ein Teil der sichtbaren Flugzeugbewegungen könnte mit dieser Übung statt mit einem konkreten Angriffsplan zusammenhängen.

Was „unbekanntes Ziel“ bei der F-35A tatsächlich bedeutet

Wenn Behörden nicht mitteilen wollen, wohin ein auffälliges Mittel wie die F-35A fliegt, heisst das selten, dass niemand das Ziel kennt. Meist ist die Information so sensibel, dass ihre Bekanntgabe den militärischen Nutzen schmälern würde.

Im vorliegenden Fall passen mehrere Szenarien zu den verfügbaren Hinweisen:

  • Vorwärtsverlegung zu einem Stützpunkt im Nahen Osten unter strenger Geheimhaltung
  • Positionierung in Südeuropa, bereit für eine rasche Verlegung nach Osten
  • Teilnahme an der CENTCOM-Bereitschaftsübung als Probe und Signal zugleich

Jede dieser Möglichkeiten verschafft Washington Flexibilität. Werden ihre Standorte bekannt, können die Jets als sichtbare Abschreckung dienen; bleibt die operative Geheimhaltung gewahrt, können sie als überraschende Speerspitze eingesetzt werden.

Wichtige Begriffe und Risiken hinter den Schlagzeilen

Einige Konzepte stehen im Hintergrund dieser Bewegungen:

SEAD (Unterdrückung gegnerischer Luftverteidigung). Dabei geht es darum, Radare und Raketenstellungen auszuschalten, damit andere Flugzeuge mit geringerem Risiko operieren können. F-35, Growler und verschiedene Raketen arbeiten dafür zusammen, häufig in den ersten Stunden einer Angriffskampagne.

Kumulatives Risiko. Jedes zusätzlich verlegte Mittel – mehr Schiffe, mehr Jets, mehr Raketenbatterien – soll die Sicherheit erhöhen oder die Abschreckung stärken. Gleichzeitig steigern dichte Stationierungen die Gefahr von Fehlkalkulationen, unbeabsichtigten Begegnungen oder eines einzelnen Vorfalls, der sich zu etwas Grösserem ausweitet.

Derzeit sind von aussen lediglich Tarnkappenjäger erkennbar, die den Atlantik überquert haben, eine Region voller neuer militärischer Systeme sowie eine politische Uhr in Washington und Teheran, deren Ticken sich beide Seiten gegenseitig immer wieder vor Augen führen.

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