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EU-Kommission: Manipulierte CO2-Emissionen in WLTP-Tests

Blauer Sportwagen in modernem Showroom neben einer Ladesäule mit EU-Flagge im Hintergrund.

Offenbar hat die Europäische Kommission Hinweise auf manipulierte Ergebnisse bei CO2-Emissionstests gefunden. Das geht aus einem fünfseitigen, nicht öffentlich zugänglichen Briefing hervor, das der Financial Times vorliegt. Autobauer sollen CO2-Werte künstlich nach oben gesetzt haben.

Die Branche befindet sich in einer entscheidenden Umstellung vom NEDC-Zyklus auf WLTP. Gerade beim strengeren WLTP-Verfahren stiess die Europäische Kommission auf Auffälligkeiten, nachdem sie 114 Datensätze aus den von den Herstellern eingereichten Typgenehmigungsverfahren geprüft hatte.

Die Manipulation soll durch Veränderungen an der Funktionsweise bestimmter Systeme erfolgen. Dazu zählen etwa das Deaktivieren des Start-Stopp-Systems sowie der Einsatz abweichender und weniger effizienter Schaltstrategien. Beides lässt die Emissionen steigen.

Nach Auffassung der EU sind die Testdaten in zwei konkreten Fällen noch eindeutiger: Dort sei es praktisch unmöglich, nicht von einer bewussten Verfälschung auszugehen. Die Tests begannen demnach mit nahezu leerer Fahrzeugbatterie, sodass der Motor während der Prüfung mehr Kraftstoff zum Laden der Batterie verbrauchen musste. Daraus resultierten zwangsläufig höhere CO2-Emissionen.

Laut dem Briefing liegen die von den Herstellern angegebenen Emissionen im Schnitt 4,5% über den Werten unabhängiger WLTP-Tests. In einzelnen Fällen beträgt die Abweichung sogar 13%.

Warum höhere CO2-Emissionen?

Auf den ersten Blick erscheint es unlogisch, CO2-Emissionen erhöhen zu wollen. Das gilt umso mehr, weil die Hersteller 2021 durchschnittliche CO2-Emissionen von 95 g/km vorweisen müssen (siehe Kasten). Dieses Ziel ist schwieriger zu erreichen, nicht nur wegen Dieselgate, sondern auch aufgrund des rasanten Verkaufsanstiegs von SUV- und Crossover-Modellen.

Die Folgen von Dieselgate liessen die Dieselverkäufe deutlich zurückgehen. Ausgerechnet auf diese Antriebe waren die Hersteller besonders angewiesen, um die vorgeschriebenen Reduktionsziele zu erfüllen. Gleichzeitig stiegen die Verkäufe von Benzinmotoren, die mehr verbrauchen und höhere Emissionen verursachen.

Auch SUV tragen nicht zur Senkung der Emissionen bei: Wegen ihres höheren Luft- und Rollwiderstands liegen ihre Werte über denen herkömmlicher Pkw.

Weshalb also die Emissionen erhöhen?

Die Begründung findet sich sowohl in der Recherche der Financial Times als auch in dem offiziellen Briefing, das der Zeitung zugänglich war.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass das WLTP-Testverfahren die Grundlage für die Berechnung der künftigen Emissionsminderungsziele für 2025 und 2030 in der europäischen Automobilindustrie bildet.

Für 2025 ist gegenüber den CO2-Emissionen von 2020 eine Reduzierung um 15% vorgesehen. Würden 2021 angeblich manipulierte und künstlich erhöhte Werte ausgewiesen, wären die Ziele für 2025 leichter erreichbar – obwohl diese zwischen Regulierungsbehörden und Herstellern noch nicht festgelegt worden sind.

Zweitens könnte damit gegenüber der Europäischen Kommission belegt werden, dass die vorgegebenen Ziele nicht erfüllbar seien. Dies würde den Herstellern bei der Festlegung neuer Emissionsgrenzwerte eine stärkere Verhandlungsposition verschaffen und zu weniger ehrgeizigen, einfacher einzuhaltenden Vorgaben führen.

Bislang wurden keine Hersteller genannt, die nach Angaben der Europäischen Kommission die Ergebnisse von Emissions-Typgenehmigungstests manipuliert haben sollen.

Quelle: Financial Times

Bild: MPD01605 Visualhunt / CC BY-SA

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