Am vergangenen Dienstag teilte die US Navy über das Naval Air Systems Command (NAVAIR) mit, dass sie einen weiteren Starttest der Anti-Radar-Rakete AGM-88G AARGM-ER mit erweiterter Reichweite durchgeführt hat. Damit wurde ein weiterer Fortschritt auf dem Weg zur künftigen operativen Einführung erzielt. Der Test fand auf der Point Mugu Sea Range im US-Bundesstaat Kalifornien statt und wurde technisch von einem Team des Herstellers Northrop Grumman unterstützt.
AGM-88G AARGM-ER im Test ohne GPS-Unterstützung
Nach den bislang bekannten Angaben kam bei der Erprobung ein Jagdflugzeug vom Typ F/A-18F Super Hornet zum Einsatz, das mit zwei AGM-88G AARGM-ER bestückt war. Mindestens eine der Raketen wurde abgefeuert. Die US Navy bestätigte zudem, dass die Rakete den Test erfolgreich absolvierte, der vor allem ihre Einsatzfähigkeit in einer komplexen Umgebung ohne Unterstützung durch GPS-Systeme nachweisen sollte. Welche Technologie dabei konkret verwendet wurde, wurde allerdings nicht näher erläutert.
Üblicherweise nutzen diese Flugkörper GPS gemeinsam mit einem speziell entwickelten Sensor, um die Lenkung zum Ziel sicherzustellen – selbst dann, wenn dieses seine Emissionen einstellt, um nicht mehr ortbar zu sein.
Weiterentwicklung der AGM-88E AARGM
Die AARGM-ER wurde als reichweitenstärkere Ausführung der derzeitigen AGM-88E AARGM konzipiert. Letztere entstand in den USA im Rahmen eines Kooperationsprogramms, an dem auch die italienische Luftwaffe beteiligt war. Zu den wesentlichen Merkmalen dieses Modells gehörte ein neuer Lenkabschnitt mit einem passiven Anti-Radar-Ortungsempfänger sowie einem Trägheits- und Satellitennavigationssystem. Ergänzt wurde dies durch ein Millimeterwellenradar für die Endanflugphase.
Die nun getesteten Raketen bauen auf dieser Grundlage auf, verfügen jedoch über erhebliche Verbesserungen. Der erwähnte Lenkabschnitt wurde mit einem größeren Raketenmotor kombiniert, der deutlich größere Distanzen ermöglicht; hinzu kommt eine veränderte Gefechtskopfkonfiguration. Darüber hinaus besitzen die neuen Flugkörper seitliche aerodynamische Flächen und widerstandsarme Heckflächen. Gemeinsam mit dem neuen Antrieb verdoppeln diese Änderungen die Reichweite der AARGM-ER gegenüber den ursprünglichen AARGM.
Integration in F-35 und Bedeutung für Australien
Bei der Entwicklung wurde außerdem berücksichtigt, dass die neue Rakete in die Bewaffnung der Tarnkappenflugzeuge F-35 integriert werden muss. Deren interne Waffenschächte waren mit den großen Flossen des AARGM-Modells nicht kompatibel. Mit der möglichen Indienststellung der AARGM-ER wäre die Plattform bei SEAD-Missionen nicht mehr in erster Linie auf ihre AESA-Radare angewiesen und könnte ihre ohnehin beträchtlichen Angriffsfähigkeiten weiter ausbauen.
Auch für Australien als ersten internationalen Kunden ist dies von besonderer Bedeutung. Das Rückgrat seiner Luftstreitkräfte besteht schließlich aus F/A-18F, EA-18G und F-35A.
Abgesehen von den technischen Besonderheiten ist zu berücksichtigen, dass nach öffentlich verfügbaren Angaben bislang lediglich fünf Starttests mit der AARGM-ER durchgeführt worden sein sollen. Als aufschlussreiche frühere Beispiele gelten die im Dezember 2022 und im Mai 2023 gemeldeten Tests. Die Initial Operational Capability (IOC) sollte ursprünglich 2024 erreicht werden, wurde jedoch auf das derzeit laufende Jahr verschoben.
Bildnachweis: Katie Archibald – NAVAIR
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